Veröffentlicht am 07. April 2024

Der Sänger von Cannibal Corpse macht was!?

Im Oktober spielen Cannibal Corpse in Zürich. Wir haben so eine Ahnung, wonach sich George «Corpsegrinder» Fisher bei seinem Besuch umsehen könnte.

Journalist
1990

Sie wollen doch nur spielen. Doch in ihrer 35-jährigen Karriere war das für Cannibal Corpse nicht immer einfach. In ihrer amerikanischen Heimat liefen gegen die Band regelmässig Politiker Sturm, weil sie um das nationale Seelenheil fürchteten. Länder wie Australien und Deutschland setzten Alben und Songs zeitweise auf den Index. Und in Russland machten Polizei und Kirche den Musikern auf einer vergangenen Tour das Leben schwer.

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Trotzdem, äh, gerade deshalb sind Cannibal Corpse eine der legendärsten und erfolgreichsten Combos im Death-Metal-Genre. Riskiert man ein Hausverbot, wenn man mit einem Bandshirt von Cannibal Corpse den eigenen Neffen im Kindergarten besuchen geht? Wahrscheinlich. Wird dem Tinder-Date plötzlich einfallen, dass es morgen ganz früh raus muss, wenn es beim ersten Wohnungsbesuch die Plattensammlung durchstöbert und dabei auf Werke wie «Butchered at Birth» und «Tomb of the Mutilated» stösst? Vielleicht.

Corpsegrinder hat alles im Griff

Deshalb staunt man umso mehr, wenn man auf dem Instagram-Account von Cannibal-Corpse-Frontmann George Fisher landet. Dort sieht es nämlich aus wie im Ferienalbum einer behüteten 12-Jährigen: Freizeitparks und Plüschtiere soweit der Finger scrollen kann. Der Sänger, der sich auch Corpsegrinder nennt und dessen Stimme Grabsteine bröckeln lässt, posiert stolz auf Fotos mit Stofftigern und Flauscheschweinchen, wie es Zahnärzte aus Florida mit einer auf Safari erschossenen Giraffe tun.

Grund dafür ist die grosse Leidenschaft von Fisher: Greifautomaten. Ja, genau. Diese Drecksdinger, in denen bereits Münzen im dreistelligen Franken-Betrag beerdigt haben, nur damit der Metallzange im letzten Moment der sicher geglaubte Preis entgleitet. Der Sänger ist süchtig nach den Maschinen und hat inzwischen ein geschicktes Händchen dafür entwickelt. Begonnen hat das Hobby auf Tour, als der Bandtross jeweils Pausen an Truckstops einlegte und sich Fisher die Zeit mit dem Spiel vertrieb.

Ein schwarzes Herz für Kinder

Und weil fast alle Death-Metal-Typen in Wahrheit netter als der Weihnachtsmann sind, verschenkt der Corpsegrinder regelmässig seine Gewinne an lokale Kinderspitäler. Hach, wir müssen uns kurz ein Tränchen der Rührung aus dem Kajal wischen.

Im Herbst wird George Fisher wieder ganz viel Gelegenheit haben, Plüschis aus Automaten zu fishen. Nach dem Release ihres neusten Albums «Chaos Horrific» geht es nämlich für Cannibal Corpse wieder auf grosse Tour. Für den Termin in Zürich verpasst die Band zwar knapp das Knabenschiessen, doch irgendwo in einem illegalen Glücksspielkeller in Schwamendingen wird sich hoffentlich ein Greifautomat finden lassen.

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Cannibal Corpse spielen am 17. Oktober im Komplex 457 in Zürich. Weitere Infos und Ticket gibt es hier.

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Zusammen mit ihrem Debüt «Nothing’s Shocking» (1988) haben Jane’s Addiction vier Studialben und drei Livealben veröffentlicht. Ihr letztes Studioalbum «The Great Escape Artist» erschien 2011 und 2017 «Alive At 25», eine Liveaufnahme zum Jubiläum ihres bahnbrechenden Werks «Ritual De Lo Habitual». Für die Show fanden die Gründungsmitglieder Farrell, Navarro, Perkins und Chaney wieder zusammen. Im Frühling 2023 spielten Jane’s Addiction mit «True Love» erstmals bei einer Show einen brandneuen Track. Ein Indiz auf weitere frische Musik der Ikonen. Auch eine Reunion mit Gründungsmitglied Eric Avery gab die Band anlässlich eines Interviews mit dem Rolling Stone bekannt. Jane’s Addiction sind zurück und beehren 2024 zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal die Schweiz.

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