Who the f**k is Charlie Cunningham?

Im April 2023 wird der britische Songwriter Charlie Cunningham Zürich beehren. Im Gepäck: Sein dann gerade neues, drittes Album «Frame» und ein paar Hits mit Streams im Millionenbereich. Trotz des immensen Erfolgs kennen viele diesen britischen Songwriter noch nicht so richtig. Das wollen wir mit diesem Text ändern.

Journalist

Irgendwie seltsam, wie viele musikalisch geschmackssichere und gut informierte Menschen in der Schweiz ins Schwimmen kommen, wenn man sie nach Charlie Cunningham fragt. Der gute Mann hat immerhin Hits wie «Minimum» von seinem 2017er-Debüt «Lines», der allein bei Spotify kurz vor 130 Millionen Streams steht. Wäre es da nicht das «Minimum», das man ihn auf dem Schirm hat? Eigentlich schon. Ob es daran liegt, dass der Brite ein eher leiser und bescheidener Typ ist? Oder daran, dass er den Nachnamen und die Initialen mit einem der spannendsten Musikvideo- und Filmregisseure der Jetztzeit, Chris Cunningham (der u. a. den verstörenden «Come To Daddy»-Clip von Aphex Twin gemacht hat), teilt? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen: Man sollte Charlie Cunninghams Musik hören!

Das dritte Album «Frame» kommt am 31. März 2023

Beginnen wir in der Gegenwart: Am vergangenen Freitag hat sich Charlie Cunningham mit der Single «So It Seems» zurückgemeldet. Melancholisch und beschwingt zugleich, spielt Cunningham hier wieder seine Trademarks aus: ein recht einzigartiges Gitarrenspiel, das seine Flamenco-Ausbildung mit traditionellem Songwriter:innen-Sound zusammenbringt und seine weiche Stimme, die ein wenig klingt, als hätte sich ein Ben Howard die Stimme mit vier Litern Kamillentee und ein paar Stücken Schmirgelpapier geschmeidig gemacht. Charlie Cunningham sagt über sein neues Album: «Unsere Persönlichkeiten bestehen aus unterschiedlichen Aspekten und Bausteinen – diese Songs sind Dialoge zwischen meinen. Mit den eigenen Widersprüchlichkeiten umzugehen und in ihnen sogar etwas Positives zu sehen, ist eine Frage der Selbsterhaltung.»

Bedfordshire, Sevilla, London

Der 1984 geborene Charlie Cunningham wuchs in der britischen Grafschaft Bedfordshire auf und sammelte seine ersten Erfahrungen in Punk-, Indie- und Hardcore-Bands. Zu seinen Lieblingsacts zählte er in jungen Jahren vor allem experimentelle Helden wie die Isländer Sigur Ròs oder die schottische Postrock-Instanz Mogwai. Stilprägender für Cunninghams jetzigen Sound war aber seine musikalische Ausbildung in Sevilla. Nach seiner College-Zeit zog er für zwei Jahre in die Hauptstadt Andalusiens, verkaufte seine «Telecaster»-E-Gitarre, um die Reise zu finanzieren, jobbte dort in einem Hostel und lernte die Kunst der Flamenco-Gitarre. Sevilla ist eine Stadt, die er bis heute vermisst. In einem Interview sagt er vor einigen Jahren: «An Sevilla vermisse ich alles – das Wetter, das Essen, das Tempo. Ich lebe in East London, das hat ein ziemlich hohes Tempo. Sevilla ist unglaublich, es ist eine Mischung aus allen möglichen kreativen Menschen.» Die Erfahrungen dort prägten sein Debütalbum «Lines», das 2017 erschien und seinen bis dato größten Hit enthält. Diesen hier:

«Permanent Way» als das gar nicht so verflixte zweite Album

Während «Lines» Cunninghams Sound auf reduzierte Weise festschrieb, liess er auf «Permanent Way» ein wenig mehr Experimentierlust zu. Sphärische Elemente, Produktionsspielereien, auch mal ausgefallene Instrumentierungen – aber all das recht wohldosiert. Charlie Cunningham sagt dazu: «Die Leute reden immer vom ‘verflixten zweiten Album’, weil da der Druck so hoch sei. Für mich war das Debütalbum das schwierigste. Es war eine grosse Erleichterung, dass es so herauskam, wie es war, und dass die Leute es mochten. Ich fühlte mich also ziemlich befreit. Auf ‘Permanent Way’ herrscht eine ganz neue Art von Freiheit, ich habe keinen Druck auf meinen Schultern gespürt. Ich glaube, ich wusste, was ich tat.»

Das lässt sich auch von seinen Konzerten sagen. Wer (wie der Autor dieser Zeilen auf dem Haldern Festival vor einigen Jahren) mal die Chance hat, Charlie Cunningham live zu sehen, sollte sie nutzen. Seine warme Stimme, die Melancholie, die viele Songwriter:innen auszeichnet, aber eben auch seine ganz eigene stilistische Note werden dafür sorgen, dass man am Ende nicht mehr so schnell vergisst, wer dieser Typ ist. Und wie gut er ist.

Am 25. April wird Charlie Cunningham im Kaufleuten in Zürich zu sehen sein. Alle Infos und Tickets gibt’s hier.

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